Mammutmarsch München – und ob du es kannst

Heute melde ich mich mit einem kleinen Bericht über den Mammutmarsch München 2019.

100 km in 24 Stunden. Auf einigen Plakaten und am Start stand „und ob du es kannst“ Ich kann dazu sagen, es ist möglich, aber nich leicht, aber der Reihe nach.

Wie kommt man dazu?

Es gab in letzter Zeit einige, nennen wir es Niederlagen. Es lief nicht so, weder in sportlicher, als auch in privater / beruflicher Sicht. Ich habe also etwas gesucht, bei dem ich es mir beweisen kann. Die Betonung liegt auf „Mir beweisen“. Ich bin dann mehr oder weniger zufällig auf den Mammutmasch gestoßen und dachte mir, wenn du 58 km in Südafrika laufen kannst, dann kannst du doch 100km marschieren. Du läufst ja wesentlich langsamer, also warum nicht, stell dich der Herausforderung. Erst mal hab ich noch jemanden gesucht, damit ich nicht alleine in der Nacht laufen muß (das war für mich einwenig das Fragezeichen, im Dunkeln, übernächtigt im Wald, da verliert man gerne die Motivation) . Leider hatte keiner Lust und Zeit, also allein.

Anreise

Ich dachte mir, mit dem Zug hin und abholen lassen wäre die beste Option. Fahren werde ich selbst nicht können und Susi 24 Std. warten zu lassen ist ja auch nichts, also Zug.
Das funktioniert auch und ich war (trotz Verspätung – Bahn halt) pünktlich in München, so dass ich noch mit meinem Patenkind etwas essen konnte. Er begleitete mich sogar noch zum start und wartete bis ich gestartet war, danke dafür 🙂

Bis zum Start

Wir waren also am Sportplatz in Krailling angekommen. Es waren schon viele Läufer und Freunde / Familienangehörige dort. Ich dachte ehrlich gesagt nicht, dass es so viele verrückte gibt. Also eingecheckt, T-Shirt geholt, alles soweit vorbereitet und warten auf den Start. Es kam ein kurzes kleines Gewitter, welches aber harmlos war und da wir unter einem Vordach saßen machte es nichts aus. War sogar etwas angenehm der Regen kühlte die schwüle Luft etwas ab. Wenn man sich die Teilnehmer so ansah, war da alles dabei:

  • alt und jung
  • Mann und Frau
  • extrem sportlich und (ich möchte niemanden beleidigen) weniger sportlich (aussehend)
  • viel Gepäck und fast nichts

Kurz vor dem Start kamen dann einige Informationen vom Veranstalter wie es denn so ablaufen wird / sollt. Die Aussage, dass in Hamburg 40% ins Ziel kamen und das hier auch erreicht werden sollte, machte uns etwas nachdenklich. Ich dachte wirklich, dass mehr als 40% finishen könnten. Meine Vorstellung waren so 80% mindesten. Etwas nervöser als vorher ging es dann in Richtung Start. Die ersten Gruppen starteten also. Als Marathon/Halbmarathon/10er – Wettkampf Läufer ist es komisch gewesen, als beim Startschuß keiner wie wild los rannte und sich gegenseitig verdrängte, sonder die Leute gingen einfach los. in einem normalen „Geh-Tempo“. War komisch anzuschauen.
Dann endlich war es so weit, 16:15 Uhr – Startzeit.

Der Lauf – Die Erlebnisse – Etappe 1

Der Countdown wurde herunter gezählt und es ging los. Raus aus dem Stadion, durch den Ort Krailling und ab in den Wald. Am Anfang war es ziemlich „eng“ beieinander. Viele Läufer und ein (für einen Marsch) flottes Tempo wurden auch schon bald die ersten der Vorgruppe eingeholt. Was nicht schlimm ist/war, aber dadurch sah man auch, wie viele Menschen hier entlang laufen. Es war noch nicht spektakulär, bis man dann bei KM 21,5 zum ersten Verpflegungspunkt kam.
Es waren sehr viele Leute dort und ein anstehen an der Wasserversorgung war nötig. Da ich genug Wasser hatte und auch keinen Hunger hatte, beschränkte ich mich auf Sockenwechsel und ein RedBull am Stand des Biergartens. Nach kurzer Zeit also weiter auf zum nächsten Verpflegungspunkt. Leider hatte ich meine Uhr nicht richtig eingestellt und sie nur auf Routenführung programmiert, aber egal.

Etappe 2

Es ging also weiter, die Läufer wurden etwas weniger (viele waren ja vor uns und einige noch am Verpflegungsstand) und so ging es dann durch den Wald weiter in Richtung Starnberger See. Während der Zeit kommt man doch so mit dem einen oder anderen ins Gespräch, auch wenn ich meistens allein und ruhig vor mir her lief. Es fing dann auch kurz vor dem VP2 (KM37) an zu dämmern und so verließ ich die kleine Gruppe um meine Stirnlampe aufzusetzen. Ein etwas längere Aufenthalt am VP2 mit ner Banane, ner Essiggurke und etwas Tee. Die Wasserresourcen auffüllen und noch ein Cola. Toilettenbesuch und weiter in Richtung VP3

Etappe 3

Es ging dann erst mal am Starnberger See entlang. Teilweise direkt mit Blick auf das Wasser, teilweise auch durch wäldlicher Landschaft. Durch den Ort Starnberg in Richtung Tutzing.
In Tutzing war dann KM50 erreicht, somit Halbzeit.
Ich hatte leichte schmerzen in der Hüfte, aber noch ging es. Also kurzes Foto vom Schild und weiter in Richtung VP3 (KM 56). Dort angekommen dann erstmal Trinken. Eistee war meine Wahl, Wasser mußte ich nicht auffüllen und so konnte ich mich auf eine Banane, 2-3 Essiggurken, Salzstangen und viel Eistee konzentrieren. Ich setzte mich an einen Tisch auf eine Bank und zog erstmal die Schuhe aus um meine Füße etwas Erholung zu gönnen. Da kommt man dann doch mit dem einen oder anderen ins Gespräch, verrückt, was manche Leute so machen / gemacht haben und was so die Beweggründe sind. Verrückt, was man für Leute kennenlernt. Nach ca. 30 Minuten pause kam die Aussage vom Veranstalter, dass alle die die jetzt aussteigen wollen, 3 Std. auf die S-Bahn warten müßten. In 3 Stunden bin ich aber auch die 14 km weiter am VP 4 … also auf gehts Andreas, in Richtung VP4.

Etappe 4

Dieser Abschnitt war für mich der schwierigste. Mitten in der Nacht, durch den Wald, teilweise alleine, teilweise mit Sicht auf „laufende Lichter“ im Wald vor einem. Ich fand es schwer, die Motivation hoch zu halten. Alleine im dunkeln im Wald, da hört man dann auch extrem auf seinen Körper. Wenn dieser auch noch schmerzt, dann wird die Motivation noch weniger. Das Laufen im Wald war nicht leicht, Löcher sah man trotz Stirnlampe erst sehr spät oder gar nicht, Markirungen waren sehr schwer erkennbar, Äste, Brennnesseln … Einfach gesagt, spaß war das für mich nicht.

Ich war auch froh meine Uhr auf Routenoption eingestellt zu haben, sie hat  2-3 mal gemeckert und mich zurück auf die richtige Route geführt. So führte mich der Weg, die Markierung, die Uhr und die anderen Mitstreiter zum VP4 (KM 70). Der Ammersee war erreicht.  Dort das übliche, 2-3 Essiggurken und viel Eistee. Den Eistee hab ich dann auch in die Trinkflasche gefüllt, nur Wasser konnte ich nicht mehr ertragen 🙂 2-3 Magnesium und 1 Salztablette und sitzen und entspannen. Kurzes dehnen der Beine. Ehrlich gesagt spielte ich dort auch stark mit dem Gedanken auf zu geben. Hüfte schmerzte, Beine taten weh… ich hatte einfach keine Lust mehr, der Wald, die Dunkelheit, die Schmerzen, die Müdigkeit … Ich wollte einfach nur schlafen und heim.
Nach langem hin und her entschloß ich mich aufzustehen und zu testen, nein, die Schmerzen … ich will heim… Also gut, ich versuchs noch bis VP5 was sollst… also wackelte ich los.

Etappe 5

Es ging also los in Richtung VP5. Wenn man mal angelaufen ist, dann ist es auch gar nicht mehr so schlimm. Es baut auch auf, wenn man immer mal wieder auf den einen oder anderen auflaufen kann. Somit weiß man, andere kämpfen noch viel mehr als man selbst, es sollte doch möglich sein das zu schaffen. Der Spruch „ah läufst doch weiter, beim letzten VP dachte ich schon du gibst auf“ war Motivation und ein bisschen aufbauend, zumindest irgendwie.

Auf einem Feldweg sah ich dann schon von weitem einen kleinen Bus, ich dachte erst ein Shuttle, falls man aufgeben möchte, aber es waren Fotografen. Die nette Dame bot mir eine Maus an (Fruchtgummi) die ich dankend annahm. und kurze Zeit später sah ich das Schild KM 80. Endlich dachte ich … nur noch 4 bis zum VP5, dort kannst du dann immer noch aussteigen. Leider waren da noch der eine oder andere Anstieg mit drinnen, der die Schmerzen nicht gerade weniger werden lies. Die Motivation litt natürlich auch darunter, aber los, bis zum VP5.

Endlich durch den kleinen Ort in Richtung Sportplatz und da sah man den VP5 schon. Es gab zwar keinen Eistee, aber COLA und ich hab mich noch nie so auf ein Cola gefreut wie zu der Zeit. COLA, 3 Essiggurken und viele Kekse. Kekse und Essiggurken gleichzeitig und das obwohl man nicht schwanger ist 🙂 Auf den Rücken legen und Beine hoch legen. Entspannen, nachdenken, trinken. Den Gesprächen der anderen Mitleidenden anhören und nachdenken. Der Spruch „aufgeben wäre ja jetzt auch blöd“ bzw. „jetzt haben wir 84 geschafft, da schaffen wir doch 16 in den verbleibenden 6 Stunden“ lies mich nachdenken und ich entschloss mich weiter zu gehen. Schmerzen ausblenden und weiter.

Etappe 6

Erstmal weiter durch ein Industriegebiet und dann wieder in den Wald, die letzten 10km durch den Wald nach Krailling zurück. Ab und an immer in der Ferne einen Mitstreiter sehen und versuchen den Abstand wenigstens nicht größer werden zu lassen. Es kamen dann immer mehr Leute entgegen, Fahrradfahrer, Familien, Leute mit Hund… es konnte also nicht weit von Krailling sein. Endlich sah man den Ortsrand von Krailling… ENDLICH … Durch Krailling bis zum Sportplatz waren es ca. 1,5 km .. die sich zogen als wären es 15 KM. Durch den Ort, links runter zum Sportplatz…. wie lange kann denn so eine Straße sein… das gibt es doch nicht… Endlich, rechts rum und dann links abbiegen auf das Sportgelände.

Und jetzt mal ehrlich, ich war so froh und unendlich dankbar endlich am Ziel zu sein… und dann dieser Empfang. Von weiten sah ich Susi, sie stand und applaudierte und dann fingen alle Leute an zu klatschen. Der Veranstalter durchs Migrofon „Das ist dein persönlicher Applaus, Respekt und Herzlichen Glückwunsch zum Finishen des Mammutmarsch“ (Was übrigens jedem Finisher eigens zugestanden wurde) … mir standen die Tränen in den Augen.

Das Ziel überqueren und „JA GESCHAFFT“. Die Medaille war schön, aber nicht so schön wie die Umarmung der 2 Gründer des Mammutmarsches. Diese Geste war mehr Wert als jede Medaille. Das Siegerbierchen war natürlich das nächste Highlight und das setzen auf den Rasen mit der Gewissheit, du mußt nicht weiter laufen, du hast es geschafft!

Großer Dank

Großen Dank an den Veranstalter, die vielen Helfer, dem Roten Kreuz, den vielen motivierenden Mitläufern, Susi die motivierend, unterstützend und auch noch mein Fahrdienst war und allen anderen „WhatsApp-Motivatoren“. Ohne Euch alle hätte ich es nicht geschafft.

 

Sportliche Grüße